Die Suche nach der Berufung

Wenn der Frühling naht, die Menschen sich wieder aus ihrem Kokon befreien, die Luft weicher und wärmer wird, dann taucht sie wieder auf: Die Sehnsucht nach der eigenen Berufung! Warum bin ich auf dieser Welt? Was könnte ich (er-)schaffen? Worin liegt der Sinn meines Daseins? Was ist das Ziel meines Lebens?

Vielen Menschen wird bewusst, dass das Hangeln zum nächsten Urlaub und der Wunsch nach etwas Materiellem, das angeschafft werden könnte, noch nicht die Lebensqualität bietet, die eine sinnvolle Aufgabe bieten könnte.

Aber was könnte das sein? Diese Frage stellen sich so viele Menschen und immer wieder kippt man in den Schoß des Alltags zurück, der die Möglichkeit gibt, sich in seiner Routine auszuruhen und die Suche den Anderen zu überlassen.

Auch mir geht es oft nicht anders, der Alltag bietet genügend Gründe, nicht weiter nachzudenken. Zu ausgefüllt sind die Tage, zu kurz die Stunden der Muse.

Und trotzdem bleibt ein nagendes Gefühl, dass das doch nicht alles gewesen sein könnte. Dass es wichtig wäre, diesen Punkt im Leben zu finden, wo sich die Gewissheit einstellt, dass man hier, genau hier, absolut am richtigen Platz ist. Diese Sinnsuche kann sich sowohl auf das berufliche, aber genauso gut auch auf das private Leben beziehen.

Bin ich im richtigen Beruf, oder sitze ich nur meine Zeit ab und warte auf das nächste Gehalt?

Bin ich mit den richtigen Menschen zusammen oder ertrage ich sie einfach nur, weil ich gerade keine anderen kenne?

Gerade der zweite Aspekt, die Frage der richtigen Gesellschaft, darf gar nicht unterschätzt werden. Studien zufolge ist mein Leben der Durchschnitt des Lebens meiner fünf engsten Freunde und Partner. Wie sieht nun das Dasein meiner engsten Menschen aus? Ringen sie mit sich, um sich zu entwickeln? Lästern sie primär nur über andere Menschen? Sind sie klein, obwohl sie groß sein könnten? Sind sie gefangen in ihrer Bequemlichkeit? All diese Fragen dienen nicht dazu, die Menschen im Umfeld zu beurteilen um sich damit besser zu fühlen, sondern sie dienen dazu, sich zu fragen, welche dieser Eigenschaften man selbst in sich trägt oder sich mittlerweile zu eigen gemacht hat.

Wenn ich umgeben bin von Menschen, die sich alle recht erfolglos durchs Leben mühen, werde ich sicher auch nicht unbedingt erfolgreich sein können. Zu sehr würde sich dies dann vom Leben meiner Bezugsmenschen unterscheiden. Daher werde ich sicher auch eher ein gedämpftes, ein reduziertes Leben führen.

Was bedeutet das nun? Wenn ich feststelle, dass meine fünf engsten Bezugsmenschen nicht das Leben leben, das ich mir für mich wünsche, wird es Zeit Ausschau nach Menschen zu halten, die meine Träume bereits leben. Dadurch werde nicht nur ich freier, sondern auch die Menschen in meiner Umgebung erhalten dadurch einen neuen Impuls. Es dient also allen.

Aber davor steht der Schritt sich seinen Wünschen zu nähern. Und zwar ohne den inneren Zensor, der stets „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ murmelt. Was ist das Größte, das Beste, das ich mir für mein Leben vorstellen kann?

Alleine dieser Gedanke weckt in vielen Menschen schon Befremden und eine Art von Hemmung. Darf man sich das wünschen? Darf man vom Leben viel verlangen? Darf man der sein, der man sein könnte? Haben wir nicht alle gelernt, dass Bescheidenheit eine Zier ist und Hochmut vor dem Fall kommt? Haben wir nicht eine Million Glaubenssätze in uns, die uns geradewegs von all diesen verwegenen Gedanken abhalten?

Hierzu noch ein anderer Aspekt: Glauben wir wirklich, dass wir auf die Welt gekommen sind um ein Leben in Mittelmäßigkeit und fernab unserer Potenziale zu leben? Ist die geistige Welt so ein dumpfer Ort, dass sie uns auf die Erde entsendet um die Zeit dort irgendwie zu fristen? Oder können wir uns vorstellen, dass in uns so viel mehr steckt, das gelebt werden will, ja sogar gelebt werden soll?

Wenn wir uns für einen Moment die Freiheit nehmen und die Einschränkungen der eigenen Glaubenssätze und die unseres Umfeldes ausblenden, dann kommt (manchmal) ein Gefühl daher, das sich wie Freiheit anfühlt, wie grenzenloses Potenzial.

Je mehr man aber in seinem Umfeld und seinen eigenen Beschränkungen gefangen ist, umso fragiler sind diese Momente. Sie können so kurz sein, dass sie gleich nach ihrem Erscheinen schon wieder nicht mehr greifbar sind. Daher ist es so wichtig, zu schauen, dass man sich mit Menschen umgibt, die diese Kunst schon etwas weiter entwickelt und sich schon mehr aus ihren Beschränkungen befreit haben.

So viele Möglichkeiten wie wir Menschen in Europa haben, hatte noch nie jemand zuvor. Alles Wissen ist leicht auffindbar. Wir können uns ausprobieren. Nicht alles muss sofort das genau Richtige sein. Wir können uns unserer Berufung auch mäanderförmig nähern. Wichtig ist, dass wir auf dem Weg dahin sind und uns nicht damit abfinden, dass das Leben eben ereignislos und mittelmäßig ist.

Auch wenn die Vision noch nicht vorhanden ist, wenn wir uns auf den Weg machen, so dürfen wir doch auf das Universum, die Spirits, Gott hoffen, dass wir geführt werden. Aber dazu müssen wir uns bewegen. Den ersten Schritt müssen wir selbst machen. Erst dann wenn wir in Bewegung kommen, bewegt sich auch die geistige Welt mit uns.

4 Kommentare zu „Die Suche nach der Berufung

  1. Vielen herzlichen Dank für diesen wunderschönen Artikel.
    Ich kann mich herrlich damit identifizieren, lebe ich gerade diese erste Veränderung! Und auch bei mir lag davor eine grenzenlose Bewunderung bei Menschen, die ihre Lebensfreude spürbar an andere weitergaben, weil sie das tun, was sie lieben, nicht was sie „müssen“, oder glauben zu müssen! Dorthin will ich mich verändern und bin auf gutem Weg! 🙂
    In Dankbarkeit und auf bald!

  2. Der Ansatz, sich seine 5 nächsten Bezugspersonen als ein Spiegelbild des eigenen momentanen geistigen Zustands anzusehen, gefällt mir.
    Was mir spontan zu deinen Gedanken noch einfällt, ist eine Aussage von Eckhart Tolle, die ich hier sinngemäss wiedergeben möchte: Wichtiger als was wir tun ist, mit welcher Intention wir das tun, was wir tun.
    Alles Liebe, Christian

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