Hochsensibilität

Hochsensibilität

Es ist wunderschön, dass dieses Thema immer mehr „salonfähig“ wird, und dass die betroffenen Menschen endlich erleben dürfen, dass sie erkannt und verstanden werden.

Warum ich diesen drei Themen: Hochsensibilität, Hochsensitivität und Hochbegabung auf diesem Blog einen so großen Platz einräume, werde ich gleich noch weiter ausführen.

Hochsensible und Nicht-Betroffene im Zusammenleben

Was auf den ersten Blick wie eine Gabe klingt, wirkt sich im Miteinander mit Nicht-Betroffenen meist wie eine Behinderung aus. Wenn ein hochsensibler Mensch inmitten von Menschen lebt, die sich nicht vorstellen können, wie die Welt aus dieser Sicht erlebt wird, bekommt er bald das Gefühl einfach „falsch“ zu sein. Nicht leistungsfähig genug, nicht belastbar genug, kompliziert im Denken, schwierig…etc.

Wie wirkt sich Hochsensibilität aus?

Die meisten Hochsensiblen spüren schon bald, dass sie anders sind als die Anderen. Das fängt schon in der Kindheit an. Statt stundenlang in den Fernseher zu glotzen oder wilde Ballspiele zu machen, lesen sie lieber stundenlang. Wenn sie sich doch dazu hinreißen lassen, mit den Anderen zu toben, sind sie abends meist so reizüberflutet, dass sie nicht zur Ruhe kommen können. Und das zieht sich bis ins Erwachsenenleben. Während die Freunde großen Gefallen daran finden, durch ein Einkaufszentrum oder eine Innenstadt zu schlendern, sind Hochsensible damit meist hoffnungslos überfordert. Die Geräusch, das grelle Licht, die vielen Menschen, Musik im Hintergrund, Gerüche….das alles ist einfach zu viel. Statt dessen sitzen sie lieber im Wald oder auf der Couch mit einem guten Buch.

Hochsensible und Kleidung

Die meisten Menschen schlüpfen in ihre Kleidung und gut ist es. Bei Hochsensiblen ist das oft schon die erste Herausforderung am Morgen. Dieses drückt hier, bei Jenem kratzt die Pflegeanleitung und muss erst noch heraus geschnitten werden, bei den Socken drückt die Naht und der Pulli, der gestern ganz angenehm war, kratzt heute. Während die meisten Menschen sich mit ihrer Kleidung arrangieren können, brauchen Hochsensible oft recht lange, bis sie endlich etwas gefunden haben, das HEUTE richtig passt, nicht zu eng ist und sich nicht dauernd ins Bewusstsein drängt.

Hochsensible und seelische Beeindruckbarkeit

Hochsensible Menschen reagieren auf Dramatik in Filmen viel stärker als ich nicht-betroffene Umwelt. Das geht so weit, dass spannende Filme nicht geschaut werden können, weil es für hochsensible Menschen kein Genuss ist, sich mit diesen Inhalten auseinander zu setzen. Sie tragen die Inhalte seelisch viel länger spazieren, können sie einfach nicht vergessen. Noch schlimmer sind reale Dramen. Wenn hochsensible Menschen die Abendnachrichten sehen, sind sie nicht selten völlig deprimiert und niedergeschlagen. Das Elend auf der Welt, das gerade in diesem Moment stattfindet, macht sie hilflos und verzweifelt. Während der nicht-betroffene Partner vielleicht schon – voller Vorfreude auf den folgenden Film – nach der Chipstüte greift, sitzt der hochsensible Mensch daneben und hängt immer noch in den Eindrücken der Nachrichten fest. Nur mühsam kann sich der Hochsensible daraus lösen. Die seelische Beeindruckbarkeit ist manchmal so groß, dass nur der absolute Verzicht auf Tagesnachrichten und spannende Filme hilft.

Meine Geschichte:

Als Kind war ich der Meinung, dass mein ganzes Leben ein Missverständnis ist. Ich verstand die meisten Menschen nicht und vice versa. Bis ich ungefähr 14 Jahre alt war, wartete ich auf das Raumschiff, das mich endlich abholen würde und dahin brächte, wo alle so sind wie ich. Unnötig zu erwähnen, dass das Raumschiff nicht kam. Aber es war tröstlich das Gefühl zu haben, dass sich das Missverständnis eines Tages klären würde. Bis vor wenigen Jahren dachte ich, dass nur ich diese Phantasie gehabt habe. Seit ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigt habe, fällt mir auf, dass es viele Menschen gibt, die auf ihr Mutterschiff warteten (oder noch warten).

Für mich fand die Befreiung dadurch statt, dass ich im Alter von 17 Jahren mit der Anthroposophie in Berührung kam und ich meine Fragen und Wahrnehmungen in den Schriften Rudolf Steiners beantwortet und bestätigt fand. Das war die größte Erleichterung meines Lebens. Da war jemand, der mit ähnlichen Fragen beschäftigt war, der diese sogar in Worte fassen konnte und Antworten wusste. Ich fühlte mich endlich nicht mehr alleine auf der Welt mit meinen „seltsamen“ Gedanken und Fragen, die mir bis dahin niemand beantworten konnte.

Hochsensibilität und die geistige Welt

Es liegt auf der Hand, dass Menschen, deren Wahrnehmung viel ungefilterter ist, als die anderer Menschen, auch viel mehr Signale aus der nicht-alltäglichen Welt erhalten. Das liegt zum einen an der meist selbstgewählten Abschottung von den meisten Umweltreizen und natürlich auch an der erweiterten Wahrnehmunsfähigkeit.

In diesem Punkt überlappen sich die Inhalte der Hochsensibilität mit den Inhalten der Hochsensitivität. Daher geht es hier weiter:  „Hochsensitivität“

5 Kommentare zu „Hochsensibilität

  1. Hochsensibilität ist ein Geschenk, sobald man weiss damit umzugehen. Der Weg dahin ist leider nicht immer einfach. Mein Raumschiff ist die grenzenlose Freiheit der Gedanken und der Gefühle. Wenn sie dazu noch mit Licht und Farben versehen sind, läuft alles wunderbar.

  2. Ich schreibe an dieser Stelle ein „Danke“ für Deine schöne Seite, die Du hier zur Verfügung stellst. Dies ist nicht auf die Rubrik „Hochsensibilität“ beschränkt, sondern auf alles, was es hier zu lesen gibt. Da Du kein Gästebuch hast, möchte ich Dir einfach hier einen herzlichen Gruss hinterlassen … Allzeit gesegnete Wege … Gina

    1. Liebe Gina, das ist aber sehr nett. Ich freue mich sehr über Deinen Kommentar! Da macht das Schreiben doch gleich noch viel mehr Freude.
      Die auch alles, alles Liebe
      Manuela

  3. Danke für deinen Artikel! Das hat mich etwas bestätigt. Ich habe gerade meinen Sohn von der Schule geholt. Die Lehrerin kam gleich auf mich zu gestürmt, dass sie einen Film geschaut hätten und sie abbrechen musste, weil mein Sohn so fertig gewesen sei und so mitgefiebert hat. Gott sei Dank kann ich erkennen, dass das in Wahrheit eine Gabe ist. Die meisten Kinder sind längst so abgestumpft, und schauen regungslos Filme an. Trotzdem ist es für mich immer wieder (bin selbst auch hsp) schwierig so aus der Masse herauszustechen auch durch die Kinder und die Angst „ausgestoßen“ zu werden (ein kindheitsthema bei mir) LG Gerlinde

    1. Liebe Gerlinde, ja es ist eine Gabe. Toll, dass Dein Sohn so eine aufmerksame Mutter hat. Auch die Lehrerin hat sehr gut reagiert, indem sie das ernst genommen hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit.
      Ganz liebe Grüße
      Manuela

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