Vom sinnvollen Leben

Was man als sinnvolles Leben bezeichnet, ist sicher sehr individuell, aber eines ist vermutlich allen Überlegungen gemein: Was bleibt, wenn ich nicht mehr hier bin?

Was habe ich geschaffen, welche Impulse habe ich gesetzt, die mein körperliches Ableben überleben? Über diese Dinge denke ich gerade in der letzten Zeit immer wieder nach. Werde ich in der Stunde X einen Grund finden, warum es gut war, dass ich auf dieser Erde war?

Ich bin zu keinem grundsätzlichen Ergebnis gekommen, aber so viel weiß ich: Viele meiner Impulse, meiner Werte, leben in meinen Kindern weiter. Und darüber hinaus haben sie ihr eigenes Wertesystem geschaffen. Das ist etwas, das mich schon sehr beruhigt gehen lässt, wenn es irgendwann mal an der Zeit sein sollte.

Aber was noch? Ich kann behaupten, es gibt einige Menschen, denen ich auf ihrem Lebensweg geholfen habe. Einige Bedürftige, denen ich etwas geschenkt habe, einige Menschen, die ich aufgemuntert habe. Aber ist das genug?

Wie werde ich das nachtodlich beurteilen? Werde ich mich freuen, über das, was ich getan habe? Oder werde ich vielmehr bereuen, nicht noch viel mehr getan zu haben?

Ich bin mir sicher, dass ich oft noch viel mehr hätte tun können. Aber ich habe es nicht getan. Vielleicht manchmal aus Erschöpfung, gewiss auch einige Male aus Ignoranz und Bequemlichkeit. Und ich frage mich oft: Was wird schwerer wiegen? Wird es überhaupt eine Bedeutung haben?

Und ganz oft habe ich Menschen vor den Kopf gestoßen, indem ich Ihnen meine Wahrheit vor den Latz geknallt habe. Wie werde ich das werten? Während es mir hier im prallen Leben so vorkommt, als sei es notwendig und nicht nur Recht sondern auch Pflicht das alles zu sagen, könnte es ja sein, dass ich mir in der Sterbeminute und auch danach große Vorwürfe machen werde, dass ich so war, wie ich jetzt bin.

Ich finde es schwierig, hier als Mensch mit dieser eingeschränkten Wahrnehmungsfähigkeit zu leben. Was sind die Kriterien an denen ich mein Handeln und Unterlassen festmache? Und was sollten die Kriterien sein?

Ist es ein Fehler einem Menschen zu helfen, weil ich mich selbst damit besser fühle? Oder ist das lediglich eine Form des Ego-Boostings? Welche Empfindung ist wahrhaftig und welche ist korrekt? Gibt es ein korrektes Handeln überhaupt – transdimensional betrachtet?

Je länger ich mich mit Spiritualität beschäftige, desto klarer habe ich vor Augen, dass ich nichts weiß. Mein Geist ist der kleine Geist der Inkarnierten. Mein Leben ist das des Parzival. Ich bin ein tumber Tor auf der Suche nach dem heiligen Gral. Aber ist es okay, wenn man zumindest auf der Suche ist? Im Lateinunterricht habe ich folgenden Satz gelernt: „In magnis et voluisse sat est.“ Übersetzt: In den großen Dingen genügt es auch, gewollt zu haben.

Ist dieser Satz der Schlüssel? Kann ich mich damit begnügen, gewollt zu haben? Ich weiß es nicht. Eigentlich weiß ich gar nichts. Und darin liegt eine große Freiheit. In der Unwissenheit ist der Keim des Lernens bereits angelegt. Ich glaube, Unwissenheit ist wie ein Vakuum, das sich immer versucht zu füllen. Wo Unwissenheit ist, darf Erkenntnis geschehen.

Und ich glaube, die Fastenzeit ist eine wunderbare Zeit, Unwissenheit zu erkennen und um Erkenntnis zu bitten. Und wenn es nur ein klitzekleines Stück Erkenntnis ist.

2 Kommentare zu „Vom sinnvollen Leben

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