Besinnlicher Advent – ein lieb gewordenes Klischee?!

Immer wieder lesen und hören wir, dass der Advent eine Zeit der Einkehr und der Stille ist. Aber ich fürchte, wir bedienen uns damit nur eines lieb gewordenen Klischees. Oder?

Auch wenn man sich nicht in den Vorweihnachtstrubel begibt, auch wenn man nicht von einem Weihnachtsmarkt zum anderen hetzt, es kann passieren, dass man nicht zur Ruhe und zur Stille findet.

Mir geht es auf jeden Fall so. Und ich weiß, dass ich das nicht verallgemeinern kann. Aber ich glaube durchaus, dass es anderen Menschen ebenfalls so geht.

Mir machen die vielen Emotionen zu schaffen. Da ich Stimmungen um mich herum aufsauge wie ein Schwamm, habe ich momentan das Gefühl, als wäre ich durch den Wolf gedreht. Mir ist alles zuviel. Alles!

Jede Begegnung mit Menschen strengt mich an. Jedes Fest, jede Feier an der ich teilnehmen muss ist ein Kraftakt, den ich nur mit allergrößter Mühe bewältigen kann.

Ich merke, dass ich längst meine Belastungsgrenze überschritten habe, dass selbst die letzten Kraftreserven aufgebraucht sind.

Und ich merke, dass ich etwas ändern muss. Ich werde diesen Weg so nicht weiter beschreiten können. Ich reibe mich auf zwischen Job, Selbstständigkeit, Kindern, Haushalt, Ehrenämtern, sozialen Verpflichtungen und bleibe dabei selbst auf der Strecke.

Der diesjährige Advent hat mir meine Grenzen gezeigt. Und die sind nicht mehr so weit wie noch vor zehn Jahren. Ich bin älter geworden. Ich brauche mehr Ruhe, mehr Zeit mit mir alleine. Ich schaffe es nicht mehr, dass ich ständig im Kontakt, im Gespräch mit Menschen bin. Ich habe das Gefühl, als ob (nahezu) jeder Kontakt meine Energie noch mehr verringert.

Was hindert mich daran etwas zu ändern? Ich fürchte (aha!) es ist die Angst. Angst, nicht mehr so funktional zu sein. Angst davor, die falschen Entscheidungen zu treffen, aufs falsche Pferd zu setzen.

Das Absurdeste was mir dabei passiert ist war, dass ich bei Amazon (ja, dem bösen Online-Händler) nach einem Buch gesucht habe, das mir Antworten auf meine Fragen liefert. Ich habe diverse Suchbegriffe eingegeben und…… Amazon schlug mir mein eigenes Buch vor! Wie bescheuert ist das denn? Ich habe selbst anderen bei diesen Fragestellungen geholfen und war mir dessen nicht einmal mehr bewusst!

Was tut man in so einer abgefahrenen Situation? Eines ist klar, das eigene Buch zu kaufen ist ziemlich sinnfrei. Aber dieses Erlebnis hat mich dann doch etwas erheitert und mir wurde bewusst, dass wir uns alle mit unseren Themen doch immer wieder nur im Kreis drehen – ich auch!

Aber worum geht es eigentlich? Warum stößt man – stoße ich – immer wieder auf die selben Fragen? Warum kann ich das Problem nicht einfach mal lösen und gut ist?

Ich vermute, dass es daran liegt, dass ich mich so sehr mit den Zielen und Sachzwängen unserer Leistungsgesellschaft identifiziere, dass ich immer wieder – sobald ich nicht aufpasse – in diesen Strudel hinein gerate. Solange ich genügend Ruhe und Zeit für Meditation und den Kontakt zur geistigen Welt habe, so lange geht es gut. Aber sobald die weltlich-materielle Komponente meines Lebens überhand gewinnt, renne ich mit Anlauf gegen die Wand. Ich will das nicht!

Und nun? Nun muss ich feststellen, dass es vielleicht doch nicht nur ein Klischee ist, dass der Advent besinnlich ist. Allerdings kommt – zumindest bei mir  – diese Besinnlichkeit völlig anders daher, als ich es gerne hätte. Sie kommt daher und zeigt mir, dass ich in den vergangenen Monaten offenbar nicht ganz bei Sinnen war. Dass ich nicht auf meine innere Stimme gehört habe, dass ich über mich selbst drüber gefahren bin. Sie zeigt mich die Sinn-losigkeit meines derzeitigen Handelns an und zwingt mich, dass ich für die kommenden Rauhnächte ganz existenzielle Fragen habe. Fragen die ich an die geistige Welt richten muss. Denn mein ausgebranntes Gehirn wird mir nicht viel Nützliches dazu liefern. Wenn ich mit meinem kleinen Hirn denke, dann kommen sie, die heimlichen Widersacher: Angst, Zweifel, Selbstzweifel, Misstrauen in die Intuition, Misstrauen dem Leben selbst gegenüber. Und sie kommen gemeinsam mit: Selbsthass, Selbstvorwürfen, Unzufriedenheit, Negativität.

All diese Gesellen würde ich über die heiligen Nächte gerne verabschieden. Zumindest bis zu ihrem nächsten Erscheinen.

 

 

 

 

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