Wenn die Menschlichkeit siegt

Das, was wir gestern in Wien und München – und somit in Österreich und Deutschland erleben konnten, war ein Sieg der Menschlichkeit. Hunderte Menschen nahmen die Flüchtlinge mit Applaus, Willkommens-Plakaten, Nahrung und Grundversorgung in Empfang. Stündlich lieferte die Berichterstattung neue „Wunder“, die einfach geschahen.

Wie kam es dazu, dass plötzlich Bewegung in die Flüchtlingssituation gekommen ist? War doch seit Wochen eine Zurückhaltung der Politik an der Tagesordnung, mehr Hassparolen als Hilfsangebote (vermeintlich!) im Netz. Nur vereinzelte Menschen und NGOs zeigten sich hilfsbereit und waren bereits seit Wochen und Monaten im Einsatz. Aber die mediale Berichterstattung hielt sich ebenso vornehm zurück wie die Politiker.

Ich habe gestern darüber nachgedacht und mit meinem Mann darüber gesprochen. Wir vermuten, dass es zwei Auslöser gegeben hat. Zuerst die 71 Toten, die im Fleischtransporter von Ungarn nach Österreich qualvoll erstickt sind. Diese Erkenntnis lies nahezu alle Menschen die Luft anhalten. Das war sehr nah. In direkter Nachbarschaft – auf der A4 -stand der Transporter mit den hilflos zu Tode gekommenen Menschen, die doch nur auf der Suche nach Frieden und Sicherheit waren. Da verstummten plötzlich selbst die zynischen Stimmen. Und wenige Tage später noch das Bild des kleinen Aylan, der auf der Flucht übers Meer ertrunken und an Land gespült worden war. Er lag am Strand als würde er nur ein Schläfchen halten. Und doch stand in diesem Bild die ganze Grausamkeit des Flüchtlingsdramas ohne Worte beschrieben.

Ich vermute, dass es diese beiden Auslöser waren, die einen plötzlichen Umschwung bewirkten. Bilder und Tatsachen, die uns als Menschen einfach berühren. Ob wir das wollen oder nicht. Nur ganz verhärtete Herzen können da noch bei ihren Hasstiraden bleiben. Die meisten Menschen sind berührt und wollen, dass endlich gehandelt wird. Dass endlich diese Menschen, die zu Abertausenden vor Krieg, Zerstörung, Gewalt, Vergewaltigung und Demütigung fliehen, Hilfe finden. Sie laufen um ihr Leben. Und das wurde auf schreckliche Weise sichtbar. Sicher, man konnte sich auch vorher bereits informieren. Man konnte sich die Bilder aus Damaskus ansehen. Aber da war es noch weit weg. Und es waren namenlose Schicksale. Das Bekanntwerden des Namens Aylan machte die Tragödie begreifbar und fühlbar. Und das Sterben der Menschen im Transporter – in unserer unmittelbaren Nähe zeigte die Grausamkeit der Flucht.

Ich bin dankbar und zutiefst gerührt, dass nun eine große Welle der Hilfsbereitschaft von allen Seiten entsteht. Alleine gestern auf dem Wiener Westbahnhof, an dem Polizei, ÖBB, Caritas, Stadt Wien, Rotes Kreuz, UNHCR, Bürger und sicher noch andere Organisationen reibungslos Hand in Hand gearbeitet haben, zeigte uns ein anderes Bild, als das bisher gesehene. Wir alle sind Menschen – jeder von uns! Wir alles können Empathie empfinden und statt die flüchtenden Menschen zu beschimpfen, wurden sie freudig empfangen und beklatscht. Das gleiche geschah in Salzburg und in München.

Und wenn wir uns nun vorstellen, dass wir diese Kraft der Menschlichkeit bewahren, dass sie keine Eintagsfliege wird, sondern dass sie in unser Alltagsempfinden eingeht, dann können wir uns vielleicht vorstellen, wie vielen Missständen wir noch entgegen treten können, die vielleicht seit Jahrzehnten ungeklärt sind.

Wenn wir nun beginnen allen Wesen gegenüber diese Empathie zu empfinden, dann können wir den Welthunger, die Massentierhaltung und vieles mehr verändern. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass diese Energie für weitere Missstände erhalten bleibt. Wir können alles schaffen, wenn wir es nur wollen!

Danke an alle Helfer, die den flüchtenden Menschen das gegeben haben, was sie so dringend brauchen: Das Gefühl von Sicherheit, Willkommen sein, Nahrung und Grundversorgung.

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