Tod und Sterben Teil 1

Nicht nur durch den Krankenhaus-Aufenthalt inspiriert, sondern auch bereits einige Wochen zuvor habe ich wieder angefangen, mich sehr intensiv mit dem Thema Tod und Sterben zu beschäftigen.

Wenn wir davon ausgehen, dass es ein Leben vor der Geburt und nach dem Tod gibt, ist es interessant zu beforschen, ob man sich darauf in irgendeiner Weise vorbereiten kann.

Bei der energetischen Reinigung von Orten stoßen wir ebenfalls immer wieder auf Überreste von nicht mehr im Körper lebenden Seelen. Sehr häufig sind das Menschen, die keinerlei spirituelles Leben hatten, und somit gar nicht wissen, was sie nachtodlich nun zu tun haben. Oder es sind Überreste von menschlichen Seelen, die sehr abrupt gestorben sind und dadurch einen großen Schock erlitten haben und nun gar nicht wissen, wo sie sich befinden.

Solche Energien und Wesenheiten habe ich gerade im Krankenhaus sehr deutlich wahrgenommen. Dies ist wenig verwunderlich, denn im Krankenhaus wird viel gestorben. Und die Mitarbeiter dort wissen in den wenigsten Fällen, was sie für den Sterbenden und frisch Verstorbenen tun können und sollten. Dies ist sehr schade, denn man könnte einem Menschen, der gerade dabei ist den Körper zu verlassen viel Hilfestellung bieten. Man kann auch einem bereits Verstorbenen viel Hilfestellung bieten.

Ich habe meine erste „Sterbebegleitung“ gemacht, als ich als ca. 8-jähriges Kind bei der Bergung von vier jungen Menschen nach einem schweren Verkehrsunfall dabei war. Ich saß neben den Sterbenden und habe speziell einen dieser jungen Männer begleitet. Dies natürlich ohne irgendwelches Wissen. Eigentlich wohnte ich diesem Ereignis nur aus kindlicher Neugierde bei. Dieser sterbende junge Mann griff im Todesmoment mit einer Hand an einen Verteilerkasten der Elektrowerke. Seine Hand war mit Blut und Schlamm verschmiert und der Abdruck blieb wochenlang an diesem Kasten, sodass ich jeden Tag, wenn mein Schulweg mich an diesem Kasten vorbei führte, diesen Abdruck sah. Jeden Tag dachte ich also an diesen verstorbenen jungen Mann. Wie Kinder so sind, war dies ohne Schwere. Natürlich war ich erschrocken und auch geschockt, da diese jungen Männer schwere Verletzungen hatten. Aber da niemand Zeit hatte, sich um dieses streunende Kind zu kümmern, das da zwischen den sterbenden Männern saß, hatte ich genügend Gelegenheit mich ganz in diese Situation hinein zu begeben. Und sie war weit weniger schrecklich für mich, wie man sich das vielleicht vorstellen würde.

Als ich die mittlere Reife abgeschlossen hatte, habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Pflegeheim gemacht. Wieder kam ich sehr rasch in Kontakt mit dem Thema Tod und Sterben. Und wieder ergab es sich fast zufällig, dass ich Gelegenheit hatte, beim Sterbeprozess eines Menschen anwesend zu sein. Ich arbeitete zehn Jahre in diesem Pflegeheim und die Gelegenheiten wurden häufiger.

Was ich in diesen Momenten erlebte, entzog sich oftmals der normalen Vorstellung, was Tod und Sterben bedeutete. Mir erschien der Tod nicht als etwas Grausames und Schreckliches, sondern im Sterbemoment kehrte meist eine eigenartige Ruhe und Gelassenheit im Sterbezimmer ein. Einige der Menschen sprachen plötzlich davon, dass bereits verstorbene Angehörige ins Zimmer getreten waren, um sie abzuholen. Und in diesem Moment war es, als dürfte ich einen Blick in die Ewigkeit werfen. Alles, was gesagt wurde, alles was geschah, strahlte eine so unglaubliche Ruhe und Wahrhaftigkeit aus, dass ich niemals auf den Gedanken gekommen wäre, dass dies nicht der absoluten und ja, heiligen Wahrheit entsprach. Man kann diese Stimmung nicht mit Worten beschreiben. Es war ein so vollkommenes Heraustreten aus der Alltagsstimmung, dass ich mehr als einmal Zeit und andere Pflichten vergaß, wenn ich am Sterbebett saß.

Und nun bin ich derzeit dabei zu recherchieren, welche Vorbereitungen wir für unseren Tod treffen können, damit dieser würdevoll vonstatten geht. Und was wir für andere Verstorbene tun können. Viele Menschen reagieren mit Ablehnung auf dieses Thema. Aber wenn wir es realistisch betrachten, ist der Moment des Todes das Einzige, was uns ganz gewiss ist – alles Andere ist optional.

Ich werde in den nächsten Tagen weiter über meine Gedanken und Recherchen berichten.

4 Kommentare zu „Tod und Sterben Teil 1

  1. Liebe Manuela,

    ich musste in den letzten Tagen oft an deinen Eintrag zum Thema Tod und Sterben denken, den du vor nun fast einem Monat verfasst hast.

    Für mich ist es unvorstellbar, wie gelassen, selbstverständlich und vertrauensvoll du mit diesem Thema umgehen kannst.

    Da ist ein Vater mit seinen beiden kleinen Kindern auf der Hohen Wand abgestürzt.

    Wie gelingt es dir, mit so etwas umzugehen? Gelingt es dir?

    Ich habe die Familie nicht gekannt. Eigentlich betrifft es mich gar nicht. Ich habe sofort versucht, die Informationen aus den Medien so gut wie möglich nicht wahrzunehmen.

    Trotzdem finde ich es schwierig, mich von dem Schmerz, der mit so einem Ereignis verbunden ist, abzugrenzen. Und von der Schuld. Sie hätten nicht diesen Steig wählen dürfen mit zwei kleinen Kindern.

    Und sollte der ältere Sohn überleben, wie wird er später damit leben können, dass er die Ursache für den Tod von Vater und Bruder war?

    Und sag ehrlich: Könntest du die Mutter in ihrer Not begleiten?

    Mit sehr nachdenklichen Grüßen,

    Sabine

    1. Liebe Sabine,
      ja, das ist eine sehr schlimme Sache. Ich habe alle Berichte darüber gelesen. Die Frage nach dem „Warum“ führt wie immer in solchen Dingen zu keinem Ergebnis. Welchen Sinn macht es, wenn so ein Ereignis ins Leben tritt? Aus der Sicht des Lebens zwischen Geburt und Tod kann man definitiv keinen Sinn darin erkennen. Wenn man es so betrachtet, ist da nur Leid – unsagbares Leid. Wenn man das Leben aber als einen Kreislauf von Tod-Geburt-Tod-Geburt etc. betrachtet, wird es wieder leichter, weil es den Abgrund der Endgültigkeit verliert. In diesem Leben werden sich diese Menschen, die sich wahrscheinlich sehr geliebt haben, nie wieder treffen. Nachtodlich sieht es wieder anders aus. Rudolf Steiner und viele andere Seher berichten darüber, dass sich die Menschen, die sich so nahe standen wie enge Familienmitglieder, sowohl nachtodlich, als auch in der nächsten Inkarnation wieder treffen.
      Es könnte sein, dass diese Seelen, sich sogar diesen Todesmoment vorgeburtlich gewählt haben, es kann aber auch sein, dass es tatsächlich auch aus spiritueller Sicht ein Unfall war. Auch das kommt vor. Wie der Bruder, der jetzt in Lebensgefahr schwebt, später einmal mit diesem Schicksal umgehen wird, wird auch davon abhängen, wie man ihm die Situation nahe bringt. Wenn die Mutter es schafft, ihm ohne Vorwürfe – auch innerlich – zu begegnen, wird es sicher leichter sein. Aber nichts desto trotz wird es wahrscheinlich eine schwere Hypothek in seinem Leben sein.
      Wenn ich die Mutter begleiten würde, würde ich versuchen, das Bewusstsein in ihr zu wecken, wie klein der Schritt zwischen Diesseits und Jenseits ist. Die alltägliche Wirklichkeit und die nicht-alltägliche Wirklichkeit sind nur durch einen dünnen Schleier voneinander getrennt. Man ist mit seinen geliebten Menschen auch über den Tod hinaus verbunden. Und man kann ihnen helfen, ihren Weg durch ihre nachtodliche Existenz zu gehen. Wenn man sie begleitet, mit Gebeten, Gedanken und in Liebe kann man viel für sie tun.
      Was diese Frau gerade erlebt hat und erlebt ist der Alptraum jeder Mutter. So ein schwerer Schicksalsschlag verändert Menschen, meist finden sie ganz automatisch zur Spiritualität, da dies der einzige Weg ist, der in irgendeiner Form Trost in so eine Sache bringen kann. Von Sinn mag ich jetzt gar nicht schreiben, denn ich finde es vermessen, von der Mutter nun eine Sinnerkenntnis zu verlangen oder zu erhoffen. Aber Trost ist ihr zu wünschen. Und den könnte sie vielleicht darin finden, wenn sie sich bewusst macht, dass sie ihre Lieben ganz bestimmt wieder sehen wird. Wie oft habe ich erlebt, dass Menschen im Todeszeitpunkt ihre verstorbenen Angehörigen gesehen und getroffen haben. Sie wurden von ihnen abgeholt. Auch die Ergebnisse von Dr. Elisabeth Kübler-Ross` Forschungen bestätigen dies. Diesen Trost würde ich der Mutter gerne auf den Weg geben.
      Eine Schuldfrage würde ich nicht stellen, weil sie ebenfalls nicht in die Zukunft weist. Hätte man diesen Weg nicht gewählt, hätte man den Kleinen nicht voraus springen lassen…..tausend Dinge würde man hinterher anders machen. Aber wenn wir alle unsere Leben betrachten, ist jeder Mensch schon gleich große oder größere Risiken eingegangen und es ist nichts passiert. Auch dieser Ausflug wäre sicher in 999 von 1000 Fällen gut ausgegangen. Vielleicht war es Bestimmung, vielleicht einfach nur Pech. Es ist. Und nun beginnt für jeden Einzelnen dieser Familie ein neues, ein völlig anderes Leben. Ich habe vergessen, wer es gesagt hat, aber mir geht da immer ein Zitat durch den Kopf: „Verstehen kann man das Leben nur rückwärts, leben muss man es aber vorwärts.“ Und noch etwas fällt mir ein, meine liebste vielzitierte Biographie von Hermann Gmeiner, der nur deshalb die SOS Kinderdörfer gegründet hat, weil er als kleines Kind seine Mutter verlor und so schrecklich unter diesem Verlust gelitten hat. Durch sein Leid hat er tausenden von Kindern auf der ganzen Welt Hoffnung geschenkt. All diese Dinge und noch viel mehr, würde ich dieser Mutter gerne sagen. Ich hoffe, dass sie Menschen an ihrer Seite hat, die ihr echte Perspektiven aufzeigen, mit diesem unermesslich großen Schicksalsschlag umzugehen. Und dem überlebenden Kind wünsche ich, dass niemand ihm jemals irgendwelche Schuldgefühle machen wird. Er ist ein kleines Kind, er konnte nicht ahnen, was sein Handeln auslösen wird. Vielleicht sollten wir alle einfach für diese Familie beten. Für die Verstorbenen und für die Überlebenden. Das hilft mehr, als man sich mit dem Alltagsbewusstsein vorstellen kann.
      Liebe Grüße
      Manuela

      1. Liebe Manuela – schön, wie du das beantwortest und ich bin beeindruckt von der Ausgewogenheit, mit der du die Sache nach allen Seiten hin siehst. Freilassend und klug. So ganz ohne Missionsansinnen.
        Die Geschichte von Barbara Pachl-Eberhard wirst du kennen, das neue Buch „Warum gerade du?“ ist wunderbar.
        herzlich
        franziska

      2. Liebe Franziska,
        vielen lieben Dank für Deinen schönen Kommentar. Nein, das Buch kenne ich nicht, aber ich werde danach schauen. Alles Liebe Dir!

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