Panikattacken und die Angst vor dem Tod

Panikattacken

Ich lebe schon so lange mit Panikattacken, dass ich nicht mehr genau sagen kann, wann es begonnen hat. Auf jeden Fall gab es damals noch gar keinen Begriff dafür. In der Zeit, in der sie besonders häufig aufgetreten sind, arbeitete ich in einer Arztpraxis.

Wir haben damals festgestellt, dass sich mein Blutdruck rasend schnell erhöht während einer Panikattacke und dass er ebenfalls sehr schnell wieder sinkt.

Meine Panikattacken beginnen mit Schluckbeschwerden, Herzrasen, Schwindel und manchmal ist auch Atemnot/Kurzatmigkeit dabei.  Das hält meist so eine viertel Stunde an und wird dann langsam besser. Früher war es so, dass sie oft über einen sehr langen Zeitraum anhielten und nur kurze Pausen dazwischen waren. Das konnte manchmal einen halben Tag dauern. Damals wie heute bin ich nach einer Panikattacke meist erschöpft. Kein Wunder, schließlich leistet der Köper Schwerstarbeit während der Attacke. Hormone werden ausgeschüttet, der ganze Kreislauf und das vegetative Nervensystem stellen sich auf Flucht ein. Das ist anstrengend.

Das Verwunderliche an Panikattacken ist ja, dass sie aus heiterem Himmel kommen. Es gibt kein unmittelbares Erlebnis, das sie auslöst. Es kann passieren, dass ich ganz entspannt an meinem Laptop sitze und Texte schreibe und es geht plötzlich los.

Mein Umgang mit den Panikattacken

Ich habe mir lange überlegt, was das Schlimmste während der Panikattacke ist. Und es ist eigentlich immer das Gleiche: Ich habe Angst zu sterben – Todesangst.

Irgendwann habe ich begonnen, mich mit meinem möglichen Tod zu versöhnen. Ich bin sehr früh schon mit dem Tod in Berührung gekommen, da ich als ganz junge Frau etliche Menschen beim Sterben begleiten durfte. Damals habe ich schon erkannt, dass der Tod nicht annähernd so schrecklich ist, wie wir das vermuten. Viele der Menschen sahen ihre verstorbenen Angehörigen kurz vor dem Tod. Oftmals kehrte eine heilige Ruhe ein und im Moment des Todes erschien es mir, als Begleiter, als würde ich einen kleinen Blick in die Ewigkeit werfen dürfen. Die Atmosphäre im Sterbezimmer ist mit nichts zu vergleichen. Diese, lange zurück liegenden, Erlebnisse habe ich mir wieder ins Gedächtnis gerufen. Und ich begann das Thema Tod und Sterben auch in Bezug auf mein eigenes Leben zu betrachten.

Keiner weiß, wann es Zeit ist zu sterben

Keiner von uns weiß, wann der Moment gekommen ist, den irdischen Körper zu verlassen. Daher habe ich mich mit dem Gedanken angefreundet. Das fiel mir insofern nicht so schwer, wie es vielleicht klingen mag, weil ich an Reinkarnation und das Schicksal glaube. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Viel mehr macht mir dabei zu schaffen, dass ich kleine Kinder zurück lassen würde. Aber ich werde dies nicht ändern können, wenn ich panisch am Leben festhalte. Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, werde ich gehen. Um zu dieser Erkenntnis und inneren Ruhe zu kommen, habe ich lange gebraucht. Und auch jetzt muss ich sie mir bewusst herbeirufen, wenn eine Panikattacke mich zu überrollen droht.

Als ich es geschafft hatte, und mit dem Gedanken an meinen eigenen Tod gut umgehen konnte, ließen meinen Panikattacken deutlich nach. Sie sind heute noch hin und wieder da, aber längst nicht mehr so heftig.

Umgang mit der akuten Panikattacke

Nach so vielen Jahren weiß ich zwar, dass ich jetzt weder Herz- noch Schlaganfall habe, und trotzdem fühlt es sich so an. Aber im Gegensatz zu früher versuche ich nicht mehr, mich abzulenken sondern ich ziehe mich zurück und gebe der Panik Raum. Ich versuche hinzuspüren, was sie mir sagen will und nehme sie bewusst wahr. Das alleine ist oft bereits der Beginn des Abklingens. Früher dachte ich immer, ich müsste mich ablenken, den Fernseher einschalten und herum gehen. Das tue ich nicht mehr. Ich versuche mich auf meinen Atem zu konzentrieren und die Angst zu fühlen.

Spirituelle Aspekte der Panikattacke

Nach all den Jahren habe ich mittlerweile sehr oft das Gefühl, dass diese Panik, die ich spüre, gar nicht meine persönliche Panik ist. Natürlich gäbe es in meiner Biographie genügend Begebenheiten, die auch eine Flash-back Theorie unterstützen würden, aber ich fühle sehr oft, dass die Panik, die sich gerade meines Körpers bemächtigt, nicht meine eigene ist.

Panikattacken und Hochsensibilität

Ich würde sogar so weit gehen, dass ich wie ein Staubsauger oftmals die Stimmungen und Ängste anderer Menschen in mich aufsauge. Zum Beispiel habe ich oft am Tag, nachdem ich mit sehr besorgten und gestressten Menschen zu tun hatte, Panikattacken. Natürlich ist mir dieser Zusammenhang nicht gleich aufgefallen. Und es ist auch nicht so, dass ich im Zusammensein mit solch aufgewühlten Menschen an meine Panikattacken denke. Aber wenn ich heute Panikattacken habe, finde ich genau diese Begegnungen in den Tage davor.

Wir Menschen werden empfindsamer

Es erscheint mir in gewissem Maße auch plausibel, dass wir Menschen nicht nur immer empfänglicher werden für Wesenheiten der geistigen Welt, dass sich unsere Hellsichtigkeit und Hellfühligkeit weiter ausprägt, sondern dass wir ebenfalls empfänglicher werden für all die Gefühle, die wir ständig aufnehmen. Wir Bewohner dieser Erde sind nicht voneinander getrennt. Egal wo wir leben, atmen wir die gleiche Luft wie alle anderen Erdenbewohner. Selbst auf chemischer Ebene sind wir miteinander verbunden. Der Atem der Textilarbeiterin in Bangladesch erreicht mich genau so, wie der Atem des missbrauchten Kindes im Nachbarhaus. Ebenso erreicht mich der Atem der Schweine aus den Mastanlagen. Und all das ist ständig um uns herum. Und all das atmen wir in homöopathischer Verdünnung ein. Wir sind viele Lebewesen auf der Erde und alle leben wir atmend unser Schicksal.

Panikattacken erzeugen Enge

In dem Moment, in dem uns eine Panikattacke überrollt, wird unsere Welt und unser Denken eng. Wir haben Angst – Todesangst. Und was wirft uns mehr auf uns selbst zurück, als die Angst um unser Leben?

Panikattacken als Zeichen der Verbundenheit mit der Welt

Wenn wir lernen könnten, dass unsere Panikattacken nichts anderes sind, als körperlich empfundenes Mitgefühl mit der Welt, kommen wir plötzlich aus der Enge der Panikattacke heraus. Dann können wir unser Bewusstsein öffnen für die Bedürfnisse der Welt, für das Gefühl der Weite. Diese Angst, die wir in dem Moment der Panikattacke spüren, unterscheidet sich durch nichts von der Angst, die Tausende und Abertausende Menschen, Tiere, Wesenheiten gerade in diesem Moment erleben.

Panikattacken als Handlungsimpulse

Wenn wir es schaffen, in unserer Angst eher Mitgefühl und momentanes Mitleiden zu entdecken, dann können wir uns in den ruhigen Zeiten dafür öffnen, was wir der Welt zu geben haben. Wo können wir Leiden verringern? Wem können wir helfen?

Heilung durch tätiges Sein

Auch wenn wir vielleicht nie frei sein werden von Panikattacken, ist es ein qualitativer Unterschied, ob wir diese als Angsterkrankung und somit psychiatrische Störung erleben, oder ob wir sie als Schwellenerlebnis für das Erkennen der geistigen Welt empfinden.

Keine Scheu, Hilfe zu suchen

Allerdings soll diese kurze Ausführung niemanden davon abhalten, sich psychologische und/oder psychotherapeutische Hilfe zu suchen. Es ist gut, wenn wir beginnen uns mit uns selbst und unserem eigenen seelischen Schmerz zu beschäftigen, bevor wir uns dem Schmerz der Welt zuwenden. Wir können nicht helfen, so lange wir selbst Hilfe brauchen. Aber wir können jederzeit versuchen, die Dinge in größeren Zusammenhängen zu denken.

 

 

 

Ein Kommentar zu „Panikattacken und die Angst vor dem Tod

  1. Danke für diese sehr treffende Beschreibung der Panikattacken. Mir war schon lange so, als ob meine Panikattacken Ausdruck der einzelnen gesammelten Gefühlseindrücke der Außenwelt sind. Man darf allerdings nicht vergessen, dass auch Krankheiten Panikattacken auslösen können. Zum Beispiel Hashimoto Thyreoditis (eine Autoimmunkrankheit). Daher macht es Sinn bei Panikattacken seine Schilddrüse untersuchen zu lassen!

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