Wege aus der Gewalt

Seit Wochen bereits bin ich sprachlos über die Wellen der Gewalt und der Gewaltbereitschaft, die sich durch Deutschland und Österreich ziehen. Es ist, als ob eine lange schwelende Wut sich endlich Bahn brechen kann.

Wenn ich mir die Kommentare auf diversen Internetseiten und in den sozialen Medien  anschaue, beschleicht mich der Verdacht, dass die Flüchtlingssituation derzeit in einem grandiosen Ausmaß missbraucht wird.

Endlich können all die, die schon lange das Gefühl haben benachteiligt zu sein, einen Schuldigen ausmachen. Zu den „die da oben“ gesellen sich jetzt die Flüchtlinge, die in großer Zahl nun unsere Länder aufgesucht haben, um hier Schutz und Sicherheit zu finden.

Und eine große Menschenmenge erkennt nun, dass es genau diese Menschen sind, die ihren Frieden in Gefahr bringen. Dabei übersehen sie aber glatt, dass sie vorher auch schon keinen Frieden hatten. Sie befinden sich meist auf einem gesellschaftlichen Abstellgleis, ohne Job, ohne soziale Kontakte, ohne Perspektive.

Und plötzlich kommen fremde Menschen ins Land, werde als Gefahr ausgemacht und es formiert sich ein Widerstand. Eine Peergroup entsteht!

Egal, wie die Peergroup nun heißt, ob Pegida, AfD oder Bürgerwehr. Sie vermittelt den Anschein, als ob man plötzlich in einer Gruppe Gleichgesinnter wäre. In gewisser Weise stimmt das auch. Man befindet sich unter Gleichgesinnten, die GEGEN etwas sind.

Aber echte soziale Kontakte entstehen dabei nicht. Es wird kein gemeinsames Ziel angestrebt, sondern jeder handelt aus seiner eigenen, höchst individuellen Verzweiflung heraus. Vordergründig mag es wirken, als habe man ein gemeinsames Ziel. Aber ein Ziel zeichnet sich normalerweise durch ein FÜR aus. Man ist für etwas. Man möchte etwas Bestimmtes erreichen. Nur GEGEN etwas zu sein ist zu wenig.

Was man aber nicht außer Acht lassen darf ist, dass die Verzweiflung dieser Menschen durchaus echt ist. Sie fühlen sich vom Leben betrogen, als Verlierer, als Randerscheinung einer Wohlstandsgesellschaft. Das ist eine durchaus verzweiflungswerte Situation. Und dass nun eine andere Randgruppe als Projektionsfläche dient, ist nicht verwunderlich. Das liegt in der menschlichen Natur.

Wie kann man dem jetzt entgegen treten? Mit der gleichen Wut, dem gleichen Hass? Sicher nicht! Das wäre so ähnlich, wie die Kommentare von leidenschaftlichen Tierschützern, die die Menschen, die Tiere quälen, gerne zu Tode foltern würden. Auch dies ist nicht zielführend und zeigt nur, dass es im Fokus dieser Menschen nur ein selektiv schützenswertes Leben gibt.

Aus meiner Sicht gibt es nur einen Weg: Bildung, Bildung, Bildung!!!

Gerade die derzeitige Entwicklung muss dazu führen, dass wir das Thema Bildung noch viel stärker in den Fokus nehmen. Die Bildungsdiskussionen allerorten drehen sich im Kreis. Wir wissen um die große Menge bildungsferner Menschen, ob bei uns oder in anderen Ländern. Gleichzeitig wissen wir, dass solche totalitären Bewegungen nur in der Bildungsferne gut gedeihen können. All die derzeitigen Rattenfänger punkten nicht bei Menschen, die gelernt haben, Aussagen zu hinterfragen, differenziert zu denken. Sie fruchten nur da, wo ein gedankliches Vakuum vorhanden ist.

Jedes Vakuum strebt danach, sich mit irgendetwas zu füllen. Unsere Fernsehsender (allen voran die privaten) bemühen sich ebenfalls redlich, durch sozialvoyeuristische Sendungen tendenziöse Stimmungen zu verbreiten.

Und wenn wir nun warten wollen, bis durch Regierungsaktivität diese Tendenz zur kollektiven Verdummung beendet oder auch nur verändert wird, werden wir mindestens noch vier bis fünf Generationen warten müssen, bis sich etwas bewegt – bestenfalls!

Die einzige derzeitige Möglichkeit ist aus meiner Sicht, dass immer mehr Menschen nicht mit Hass und ebenfalls aggressivem Verhalten auf die derzeitige Entwicklung reagieren, sondern dass allerorten Initiativen entstehen, die Bildungsinhalte auf angemessene Art verbreiten. Niemals hatten wir eine Zeit in der wir so schnell so viele Menschen erreichen konnten. Ob über Facebook, Twitter, Youtube und andere Kanäle, wir können relativ leicht und rasch Botschaften verbreiten. Es ist nun das Gebot der Stunde, dass Menschen, die in dieser Gesellschaft etwas verändern wollen, sich überlegen, wie sie Inhalte aufbereiten und sie einer breiten Menge von Menschen anbieten können.

Ich finde es spannend, dass diese Möglichkeiten in den offiziellen Diskussionen nicht einmal vorkommen. Es ist immer nur die Rede von den Schulen und anderen Einrichtungen. Ja sicher ist dort Veränderung gefragt und notwendig, aber die Bewegungen der letzten Jahre sind alle durch die sozialen Medien unglaublich forciert und beschleunigt worden.

Wir brauchen jetzt Menschen, die sich verantwortlich zeichnen, in ihrem Umfeld, im Kleinen und im Großen etwas zu bewegen. Wir brauchen nicht noch ein weiteres sinnloses Konsumprodukt, wir brauchen keine weitere Fast-Food-Kette, sondern wir brauchen Ideen und Initiativen um die Menschen, die sich real so verzweifelt fühlen, zu erreichen und gemeinsam mit ihnen Wege zu finden, die aus der Negativitätsspirale heraus führen.

Und ja: Das mag naive klingen, oder verträumt. Aber ich bekenne mich dazu, letztendlich an das Gute im Menschen zu glauben und – ja, ein leidenschaftlicher Träumer zu sein.

Ich wünsche Euch allen einen schönen Tag

Manuela

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2 Kommentare zu „Wege aus der Gewalt

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